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Der Roland in Perleberg

Sockelfeldes: Dr. Wolfram Hennies Stadt Perleberg

Foto: Dr. Wolfram Hennies                          Foto: Stadt Perleberg

 

 

Die Beschreibung

Ratsprotokolle der Stadt Perleberg aus dem Jahre 1498 enthalten den bislang frühesten Hinweis auf die Existenz eines Rolandes in der Stadt. Er ist nicht mit dem heutigen Rolandstandbild identisch. Der Roland von 1498, vermutlich aus Holz, ist verloren gegangen. Über den Zeitpunkt, wann genau der neue Perleberger Roland aus Stein errichtet wurde, gibt es bisher keine eindeutige Aussage.

 

Der Perleberger Roland ist aus Elbsandstein gehauen. Es ist nachvollziehbar, auf welchem Weg der Stein aus der Umgebung von Pirna transportiert worden sein muss. Die Flüsse Elbe und Stepenitz waren schon im Mittelalter Handelswege und haben bei der Kolonisation im Grenzgebiet zwischen Deutschen und Slawen im Zuge der Stadtentstehung (Perleberg 1239) eine entscheidende Rolle gespielt. Wasser trägt in die Ferne und verbindet entfernte Orte miteinander. Das wussten auch die Perleberger Hansekaufleute zu nutzen. Der Waren- und Werteaustausch der Fernhändler beförderte ein aufgeklärtes Bürgertum. So war es ein verständliches Bedürfnis der Bewohner, ihr Rechtsempfinden öffentlich darzustellen.

 

Die steinerne Figur, wie sie heute auf dem Perleberger Großen Markt steht, trägt auf der Rückseite des Sockels die Jahreszahl 1546. Der Roland steht stolz aufrecht in schwerer Rüstung, mit Arm- und Beinschienen, schalenförmigen Kniekacheln und Schulterstücken. Helm mit geöffnetem Visier, löwenkopfverzierter Harnisch, bärenfußförmiges Schuhwerk, Schwert und Adler-Schild komplettieren seine Ausrüstung.

 

Der Perleberger Roland misst 4,26 Meter und steht auf einem Sockel, an dem sich ein inzwischen stark verwittertes Relief befindet. Vermutlich sind es Darstellungen aus der Herkulessage. Sie erzählt von seiner unbändigen Kraft, außerordentlichen Taten und von übernatürlichen Kräften. Tatsächlich finden sich in den Relieffeldern Attribute wie z.B. Schlange (Hydra), Früchte (goldene Äpfel der Hesperiden), Löwe, Schild (= evt. Wehrgehänge Hippolytes), Zweikampf (Riese Geryon) und die Keule, über welche in den zwölf Heldentaten, die er nach den Aufgaben des Königs Eurysteus vollbrachte, berichtet wird. Ein Rekonstruktionsversuch der Figuren des Reliefs befindet sich als Zeichnung im hiesigen Stadt- und Regionalmuseum. 2004 war eine Abformung der fast unkenntlichen Relieffelder gescheitert. Inzwischen sind die Darstellungen kaum mehr zu erkennen.

 

In einem Bericht an den brandenburgischen Landesherrn gibt Ende des 17. Jahrhunderts ein Ratsbediensteter die Beschreibung: „Das Rathaus lieget der Länge an dem Marckt, hat oben westenwerts die Audience-Stube und vorher einen langen Saal, auf welchen die Gewandschneider und Tuchmacher in den Jahrmärckten feil haben. Wobei zugleich der Rulands Säul auf dem Marckte zu gedencken, welche darin etwas sonderliches hat, daß sie Bährtig ist, da die andern sich mehrentheils ohne Bahrt presentiren.“

Die älteste bildliche Darstellung stammt aus dem Jahre 1751.

 

 

Die Bedeutung 

Rolanddarstellungen sind hauptsächlich in Mittel- und Norddeutschland verbreitet und sowohl aus Holz als auch aus Stein gearbeitet. Die Rolandssage um den tapferen Vasallen Hroudlandus (gefallen 778 bei Roncesvalles) im Gefolge Karls des Großen bietet den historischen Bezug. Die Rolandstandbilder verkörpern Privilegien wie Blutgerichtsbarkeit, allgemeines Stadtrecht, vollständige Ratsfreiheit, Unabhängigkeit vom Landesherren, Zollfreiheit, Markt-, Stapel-, Handelsrechte. Der Zeitraum von Ersterwähnung bzw. Errichtung der Rolande erstreckt sich in Städten und Dörfern über fünfhundert Jahre: vom 13.Jahrhundert (Halle/1240) bis zum 18.Jahrhundert (Questenberg/1730) und verschleiert zusätzlich die Bedeutung der Rolande.

 

Da ihre Zuordnung nicht eindeutig ist, haben sich seit 2007 im Rolandnetzwerk nur ein Teil der Rolandorte zusammengeschlossen. Im Jahre 2014 tagte das Rolandnetzwerk in Perleberg. Perleberg gehört zu den Gründungsmitgliedern dieser Vereinigung.www.rolandroute.de

 

 

Reparaturen und Denkmalpflege 

1843 erklommen Unbekannte das steinerne Standmal und brachen seine Hiebwaffe ab. Das gleiche Schicksal traf ihn 1983, als Unbekannte nachts das Schwert verbogen.

 

1871 schlugen betrunkene Garnisonsinsassen seine Nase ab, welche vom Berliner Hofbildhauer Alexander Gilli (1823-1880) nachmodelliert wurde. Im Mai 1945 fuhr ihn ein Panzer an. Wegen des zunehmenden Transitverkehrs nach Westberlin, welcher auf der B 5 unmittelbar hinter dem Roland den Großen Markt passierte, erfolgte 1954 durch die Perleberger Firmen Kipp und Fliege mit Beteiligung des Institutes für Denkmalpflege Berlin die Versetzung des Rolandes um circa 1,50 Meter in Richtung Rathaus.

 

 

Regelmäßige Restaurierungen 

Das Institut für Denkmalpflege untersuchte in der DDR-Zeit das Einzeldenkmal mehrfach, konnte aber dem Substanzverlust durch Umwelteinflüsse nicht wirksam entgegen wirken. Die Schwärzung und Verkrustungen waren auf die hohe Kohlendioxid-Emission am Ort zurückzuführen. Es wurden auch Salzausblühungen festgestellt. Durch Frostverwitterung ist es zu tiefen kesselförmigen Ausbrüchen im Sandstein gekommen. 1991 befestigten deshalb Berliner Restauratoren unter der Leitung des Diplom-Restaurators Manfred Sährig nach einer gründlichen Reinigung der stark angegriffenen und verrußten Oberfläche eine Metallabdeckung auf dem Sockel, um das Eindringen von Regenwasser zu unterbinden.

 

Seitdem wird der Roland im Rhythmus von etwa vier Jahren von den Restauratoren auf sein Befinden untersucht. Die Abdeckung hat sich bewährt. Die regelmäßigen Kontrollen haben das Ziel, die Beständigkeit der bisherigen restauratorischen Mittel zu überprüfen und aufgetretene neue Schäden sofort zu beheben, um damit größere Restaurierungen zu vermeiden. Der Verkehr zwischen Hamburg und Berlin im inzwischen wieder geeinten Deutschland führt längst nicht mehr hinter dem Roland vorbei, so dass man den steinernen Recken ganz ungestört von allen Seiten bewundern kann.RolandOrte

 

 

Weitere Informationen zum Thema Roland:

 

 


Text: Martina Hennies, 2016

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