Der Missionar Christian Friedrich Pressier aus Perleberg

Perleberg, den 12.07.2017

Erinnerungsblättchen Nr. 46 erschienen 


Es wird immer interessanter, wohin es Menschen aus Perleberg verschlagen hat, so Martina Hennies von der Stadt Perleberg als Initiatorin der Reihe Erinnerungsblättchen zu bedeutenden Perlebergern.  


Das neue Erinnerungsblättchen stellt den Perleberger Christian Friedrich Pressier (1697-1738) vor, der eine Brücke schlug zwischen Perleberg und Indien. Es ist auch ein Blättchen, das mit der Reformation einen Zusammenhang darstellt, denn der Missionar ging im Auftrag der protestantischen Kirche nach Indien. Schwierige Recherchen haben Einzelheiten seines Lebens zu Tage gefördert, denn Biografisches musste erst jetzt aus vielen Einzelinformationen zusammengetragen werden. Als er auf die Welt kam, war er schon vaterlos. Dank der Eintragung im Perleberger Kirchenbuch, die sich tatsächlich finden ließ, wissen wir, dass sein Vater Carl Friderich Ratsverwandter und ein bemittelter Bürger war. So konnte Christian nach der Schule Theologie studieren. In Halle an der Saale verschrieb er sich der protestantischen Missionsbewegung, die der Pietist August Hermann Francke (1663-1724) mit Unterstützung wohlhabender und einflussreicher Personen organisierte. Auch die englische und dänische Krone gehörte zu den Förderern. So entsandte Francke schließlich am 6.12.1724 ein dreiköpfiges Missionarsteam nach Indien, unter ihnen Pressier, um dort das Christentum zu verbreiten.  


Ein Tagebuch entsteht über die Reise von Deal nach Tranquebar zwischen dem 9.5. und 24.6.1725. Am 1.7. beginnt die Arbeit der drei Missionare, die sie in ihrem ersten Tagebuch zwischen dem 1.7. und 30.12.1725 dokumentieren. Zahllose weitere Tagebücher und Schriften entstehen. In einem siebenseitigen Brief von Christian Pressier an Brandanus Friedrich Mylius vom 12.1.1730 berichtet der Missionar beispielsweise über Entfernungen zwischen Goa, Agra und Tranquebar, Königreiche zwischen Tranquebar und Agra, Klimaerscheinungen, Früchte, Blumen, Weinbau, Astronomie und Physik als Wissenschaft in Indien, Bergwerke, System der indischen Philosophie, Lebenserwartung der Inder, Einwohnerzahl Tranqubars, Architektur der Häuser wohlhabender Inder. In Europa wollte man alles erfahren. Die Missionare waren quasi das Tor zur Welt. Das Missionsarchiv der Franckeschen Stiftungen hat all diese Dokumente akribisch gesammelt und dokumentiert, weil sie eine einzigartige Quelle sind. Die Missionare schickten auch Sonderbares oder Präparate nach Halle. So beschreibt Pressier 1726 ein Götzenkästchen für die Kunst- und Naturalienkammer in Halle, das er übersandte.  


Die Missionare kämpften auch mit Widrigkeiten: 1728 verfassten die inzwischen vier Missionare einen ausführlichen Bericht über die Schwierigkeiten der Bekehrung der Inder. Einige von ihnen waren auch verheiratet, so auch Pressier seit 1735 mit einer deutschen Frau. 1730 lieferte Pressier als Missionsstationsvorsteher einen ausführlichen Bericht über die gegenwärtige Verfassung des evangelischen Missionswerkes in Tranquebar. Der Perleberger Christian Pressier berichtete auch dem Missionskollegium in Kopenhagen, William Wake als Erzbischof von Canterbury, den Mitgliedern des Ministeriums der evangelischen Kirche in Augsburg, der Society for Promoting Christian Knowledge in London und der Prinzessin Sophie Hedwig von Dänemark (1677-1735), welche mit großem Interesse die Anstrengungen der Missionare in Indien verfolgte. 750 zumeist mehrseitige Dokumente allein aus Christian Pressiers Feder sind in Halle aufbewahrt. Überliefert sind auch die Namen aller anderen Missionare. Alle hinterließen auch schriftliche Spuren. Man kann sich denken, dass ein regelmäßiger Nachrichtenaustausch durch die Schiffe stattfand. Die Missionare waren zwar weit entfernt, aber ebenso gut unterrichtet, was in der Heimat vor sich ging. 


Am 26.7. jährt sich der 320. Geburtstag des Perleberger Missionars Christian Pressier. In seiner neuen Heimat Indien lebte er mit Frau und Kind(ern). Seine Frau war Schwester oder Witwe eines Missionarsbruders. Damit wird auch das Bild des evangelischen Missionars für uns Heutige konkreter. Am 15.2.1738 starb er im Alter von 40 Jahren an den Folgen einer Tropenkrankheit. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Gelände der Missionsstation Tranquebar. 


Auf der Rückseite widmet sich ein Text dem Areal um die St. Nicolai-Kirche. Die Kirche wurde durch Blitzschlag 1632 in Brand gesetzt und verfiel allmählich. Die Stadtgeschichtsforschung lokalisiert hier eine frühe Siedlung der ältesten „Perleberger“. 


Das Erinnerungsblättchen ist in der Stadtinformation Perleberg am Großen Markt 12 erhältlich.