Rathausgalerie

Im Rathaus Perleberg werden im Kleinen Sitzungssaal seit 1989 jährlich bis zu 9 Wechselausstellungen gezeigt. Fotografien, Malerei und Grafik von Künstlern, Schülerprojektarbeiten sowie themenbezogene Wanderausstellungen vermitteln unterschiedliche Eindrücke in Gedankenwelten, Landschaften, Städte und historische Themen.

 

Auch Stadtansichten aus europäischen Hansestädten werden im Vorfeld der Internationalen Hansetage regelmäßig vorgestellt. Zum Tag des offenen Denkmals und zum Kulturlandjahresthema werden Ausstellungen zusammengestellt und präsentiert.

 

Aktuell:

 

Ausstellung in der Rathausgalerie Perleberg vom  30.06. bis 18.08.2017

 

„Freie Grafik“ von Johannes Karl Gotthard Niedlich (1948-2014)

Das Zusammentreffen mit Angela Niedlich in ihrem Haus in Altlandsberg war ein Erlebnis. Aufmerksam gemacht hatte ein Mitstreiter in der AG „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg auf einer Fachtagung: „Wenn Sie in der Perleberger Rathausgalerie mal wieder Kunst zeigen wollen, dann fahren Sie nach Altlandsberg ins Künstlerhaus Niedlich!“ Altlandsberg hat übrigens auch einen historischen Stadtkern, umschlossen von einer Stadtmauer, mit geschichtsträchtigen Bauwerken und beachtlicher Sanierungsaktivität, insbesondere am Schlossensemble.

 

Das Haus des Künstlers Johannes Karl Gotthard Niedlich befindet sich in der Klostergasse. Seit dem Jahre 2014 ist der Künstler dort nicht mehr anzutreffen, doch seine Bilder, die er hinterlassen hat, sind so beeindruckend in Haus und Nebengebäude (Atelier) arrangiert, dass sie dem Gast das Gefühl vermitteln, als käme der Meister jeden Moment von einem seiner ausgiebigen Spaziergänge zurück, um zwischen seinen Geschöpfen an seinem Arbeitstisch Platz zu nehmen, den Skribent aufnehmend, einem neuen Wesen Leben einzuhauchen.

 

Von den Wänden blicken Tiere mit Haltung und Augen als hätte man schon einmal genau diese menschlichen Physiognomien im Gegenüber erblickt. Eitelkeiten, Schwächen und Überschwang, man könnte schmunzeln, lachen oder mitleidig trösten. Warum zeigen wir bei Tieren oftmals mehr Gefühl als für Mitmenschen? Die zumeist großformatigen Rahmen zeigen darüber hinaus auch Pflanzenmotive, verspielte Blüten, unscheinbare Triebe, anmutige Gebilde in zarter Farbigkeit. Wie kann man das nur so genau darstellen?

 

Seine Frau erzählt über das Leben in der Kleinstadt, über den Autodidakten, dem man sich nun nur noch über seine Bilder und Zeitzeugenberichte annähern kann. Kontrastreicher kaum vorstellbar: Johannes Karl Gotthard Niedlich (1948-2014) war ein Ausnahmetalent, ein Unbequemer, ein Hüne mit unbeschreiblicher Beobachtungs(hin)gabe, der seine Fähigkeiten erst selbst entdecken musste. Er wuchs im Altlandsberger Pfarrhaus auf, begann nach der Schule Chemie zu studieren und schwenkte auf Theologie um, während er gleichzeitig seine zeichnerischen Fähigkeiten verfeinerte. Schließlich glückte ihm 1978 der Vorstoß in den Verlag Volk und Welt, für den er als freischaffender Künstler Illustrationen schaffen durfte. Es folgten „Schönste Bücher der Welt“, Ausstellungen und Anerkennungen, wie beispielsweise auf der Internationalen Buchkunstausstellung. So heißt eines seiner knapp hundert illustrierten Bücher „Hühner sind auch nur Menschen“. Wohl wahr. Auch andere Tiere von Haus und Hof schauen mit Charakter aus den Bilderrahmen, sprachlos aber voller Befindlichkeit. Frösche aber waren wohl Niedlichs Protagonisten, um uns Betrachtern den Spiegel vorzuhalten. Man muss sie gern haben, schließlich weiß man von den eigenen Schwächen.

 

Wie darf man sich den Alltag eines Künstlers vorstellen, ohne indiskret daherzukommen? Altlandsberg ist ein ruhiger Ort, nah dran an märkischer Natur, gleichzeitig nah genug an der Großstadt Berlin, um nicht ganz entrückt zu sein. Johannes Carl Gotthard Niedlich war empfindsamer Künstler und engagierter Bürger gleichermaßen, um sinnenreiche Bilder für Liebhaber stilvoller Grafik und feinen Humors zu schaffen sowie unbequemer Ideengeber zu sein, um seiner Kleinstadt Impulse zu verleihen. Das Künstlerhaus ist auch nach seinem Tod ein Ort geblieben, an dem sich der Interessierte jeweils im September zum Tag der offenen Höfe mit seinen Träumen und seiner Lebenswirklichkeit in Beziehung setzen kann, ebenso wie es J.C.G. Niedlich offensichtlich mit großer Lebensfreude getan hat. Das Weltengebraus ist wohl nur auszuhalten, wenn man die Grazilität der Naturdetails genau betrachtet. J.C.G. Niedlich konnte das.

 

Seine Bilder sind verkäuflich, wer Gefallen daran findet, kann in der Stadtinformation am Großen Markt 12 die Kontaktdaten erhalten. Dort kann man auch Bücher, Plakate und Karten mit den Motiven aus dem umfassenden Schaffen des Grafikers Niedlich erwerben.

 

Text: SB 130 | Kulturförderung und -pflege, Tourismus, Frau M. Hennies,

 

 

Ausstellungen in der Rathausgalerie (Auswahl)