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Erinnerung an Eva von Plotho am 16.7.2019

11.07.2019

Lehrerinnen und Lehrer prägen die Erinnerungen an die Jugendzeit. Es ist unbestritten eine Lebensleistung, mit uneinsichtigen, faulen und vorlauten Jugendlichen ein Leben zu verbringen und diesen wie auch den freundlichen und fleißigen das Beste auf ihren Lebensweg mitzugeben. Nicht nur das persönliche Geschick eines Lehrers, „das Beste“ aus dem Unterricht zu machen, sondern vor allem die Zeitumstände verfügen darüber, ob die Schulzeit eine glückliche war. Schon Gottfried Arnold befand vor 300 Jahren die Perleberger Schulverhältnissen verbesserungswürdig.

 

Als Eva von Plotho am Perleberger Lyceum Lehrerin war, machten die Zeitumstände das Leben und Lehren auch schwierig. Anfang des 20. Jahrhunderts war eine eigenständige und berufstätige Frau keine Selbstverständlichkeit. Zu dieser Zeit war der Unterricht an höheren Schulen noch eine Männerdomäne, in der Eva von Plotho ihren Platz erkämpfen wollte. Die 1895 geborene Tochter eines adligen Gutsherren erlebte in ihrer Biografie den harten Übergang vom herausgehobenen Lebensstil der Adelsschicht Ende des 19. Jahrhunderts über die Zeit des Dritten Reiches, zum Sozialismus. Da wurden bürgerliche Familientradition und Adelskultur diskreditiert. Immer wieder wandelte sich das offizielle Geschichtsbild, das die Lehrer vermitteln mussten.

 

Obgleich ihre Familie in direkter Verwandtschaft zu Elisabeth von Plotho stand, deren Schicksal Theodor Fontane in seinem Gesellschaftsroman „Effi Briest“ (1894) verarbeitete, lebte die unverheiratete Eva von Plotho mit ihrem Lehrergehalt in bescheidenen Verhältnissen. Der Verlust ihrer Berufstätigkeit hätte existenzielle Folgen gehabt, wäre sie als Lehrerin gegen die nationalsozialistische Ideologie oder später als nicht konform mit der sozialistischen Ideologie missliebig aufgefallen. Nachdem das Lyceum 1949 zur EOS Goetheschule umgewandelt wurde, ereigneten sich besonders in den 1950er Jahren bis zum Mauerbau 1961 politische Maßregelungen von Schülern und Schülerinnen, von denen sich einige nach Westberlin bzw. in die BRD absetzten, um Verhaftung und Gefängnis zu entgehen. Allgemein gab es auch an Schulen bis 1989 neben dem heiteren Schulalltag zugleich politische Indoktrination und die Beeinträchtigung Andersdenkender.

 

Eva von Plotho lebte nach ihrer regulären Pensionierung 1955 zuletzt in einer Wohnung in der Lenzener Straße 1, wo sie am 16.7.1984 verstarb. Das neue Erinnerungsblättchen erinnert deshalb zu ihrem 35. Todestag an diese Lehrerin mit großem Namen. Die Rückseite enthält eine Beschreibung des ehemaligen Hotels in der Wittenberger Straße 35.

 

Das Erinnerungsblättchen ist ab dem 16. Juli 2019 in der Stadtinformation Perleberg, Großer Markt 12, erhältlich.

 

Foto: Bildausschnitt vom Erinnerungsblättchen

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